Am nächsten Morgen ist mir beim Essen ein Anschlag im Schankraum aufgefallen: Der Kapitän der “Miros Treu” sucht nach tatkräftigen Leuten die ihn nach Ferdok und zurück begleiten. Er möchte auf dem Fluss ein paar Waren transportieren und braucht jemanden, der ihn gegen Piraten beschützt. Das ist für mich vielleicht eine gute Reisemöglichkeit um aus Elenvina wieder zu verschwinden. Aber vorher hatte ich ja noch etwas zu erledigen.

Ganz umsonst bin ich ja nicht in Elenvina. Mein Lehrmeister Tevil Svalasson hat mich beauftragt hier her zu reisen um mich in der Gilde der Magier weiter zu bilden. Also machte ich mich auf den Weg.

Innerhalb des Geländes der Gilde wurde mir aber schnell klar, dass ich hier nicht sehr angesehen bin. Auf Grund meiner fehlenden Sprachkenntnisse in Bosparano hielten mich alle für einen blutigen Anfänger und einen ungebildeten Nichtsnutz. Mein nicht sehr gepflegtes Äußeres trug wohl auch ein Stück dazu bei. Allerdings fand ich einen sehr interessanten Laden in der Nähe der Gildenhalle. Der Besitzer war recht freundlich und erzählte mir, dass ein gepflegtes Äußeres und ein sicheres Auftreten wohl ausreichen werden um wenigstens Zutritt zur Bibliothek zu erhalten. Gut, dachte ich mir, dann werde ich hier ein neues Gewand erwerben und mein Glück erneut versuchen. Leider kam es nicht so weit, denn der alte Mann wollte für das einfachste Gewand bereits stolze  50 Silberlinge von mir.

Ich trollte mich also erst einmal davon. Schnell wurde mir klar, dass der Kapitän der “Miros Treu” wohl meiner Situation behilflich sein könnte. So war es dann auch. Nach einem kurzen Gespräch heuerte ich auf seinem Flussschiff an um mir ein paar Silberlinge zu verdienen.

Die Nacht wollte ich wieder im “Enterhaken” verbringen. Ich setzte mich mit meinem Bier zu einem Zwerg Namens Ogrim. Er hatte ebenfalls auf der “Miros Treu” angeheuert (ungewöhnlich für einen Zwerg, aber er braucht das Silber wohl genauso dringend wie ich). Wir kamen schnell ins Gespräch und das Bier floss gut. Im Laufe des Abends trat jemand an uns heran (Halmar war sein Name, wie er später verlauten lies) und bat um unsere Hilfe. Im Schankraum waren drei Typen aufgetaucht, die Hausverbot hatten, und pöbelten eine Magd an. Ihm bedeutete die Magd wohl einiges und so ließen wir beide uns nicht zweimal bitten. Halmar streckte gleich mit dem ersten Schwerthieb den Anführer der kleinen Truppe nieder. Die anderen beiden konnten Ogrim und ich mit ein paar gezielten Fausthieben zum Gehen überreden.

Der Wirt spendierte uns auf diese Tat gleich mehrmals Bier und so machten wir drei uns bekannt.

Elenvina

29/12/2009

Endlich konnte ich meine Heimat Olport verlassen und bin nach langer Reise mit dem Schiff in Elenvina angekommen. Die Stadt ist beeindruckend groß und ihre gewaltige Festung ist mir gleich aufgefallen. Beim Einlaufen in den Hafen brach die typische Hektik auf dem kleinen Flussschiff aus und ich zwängte mich durch die Menschen von Deck.

Hier stand ich nun: Eine mir völlig unbekannte Stadt lag vor mir, in meinem Geldsäcklein war nicht mehr viel los und ein Bier könnte ich auch gebrauchen. Nach einem kurzen Gespräch mit einer Stadtwache verbesserte sich meine Laune auch nicht gerade. Anscheinend sind Magier in Elenvina nicht sehr gern gesehen und sollten auf die Ausübung ihrer Fähigkeiten verzichten, wenn sie nicht ihr Leben riskieren wollen. Natürlich erkannte die Wache an meiner Statur und meiner äußerlichen Erscheinung auch, dass ich wohl aus Thorwal komme und erwähnte in einem Nebensatz, dass diese Menschen hier gar nicht gern gesehen sind. Wenigstens verriet er mir noch, wo ich für wenig Geld meine Nacht verbringen könne.

So machte ich mich auf zum “Enterhaken”. Eher ein Loch als ein Gasthaus, aber der Preis war in Ordnung und es gab etwas für die trockene Kehle. Der Schankraum war an diesem Abend sehr gut besucht und mit einem wässrigen Eintopf im Bauch bezahlte ich schnell für mein Strohbett, um mich dem Lärm zu entziehen.

Auf dem Weg zum Schlafsaal begegnete ich aber noch einem echten Pachtweib und konnte nicht widerstehen. Obwohl dieses Vergnügen ein tiefes Loch in meinen Geldbeutel fraß, war ich durchaus zufriedener mit mir und dem Tag. Somit konnte ich doch noch in Ruhe schlafen.